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Dolci Canti CD- Rayuela & Cordatum, Italienische Liedeslieder

Dolci Canti  CD- Rayuela & Cordatum, Italienische Liedeslieder
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Product no.: DOLCI CANTI CD

Dolci canti

Klangbeispiel Klangbeispiel

Kennen Sie Cecco Angioleri? Oder Lionardo Giustiniani, Gabriello Chiabrera? Wer war Dante da Maiano? Oder Compiuta Donzella? Baldassare Olimpo degli Alessandri? Sie kennen Michelangelo Buonarotti - aber hat der gedichtet, gesungen? Francesco Petrarca, Dante Alighieri, Matteo Bandello, Jacopone da Todi oder Lorenzo "Il Magnifico" de' Medici - ihre Texte sind Weltliteratur. Wer fand die Melodien dazu? Gibt es denn einen Erfinder?

Diese Melodien schweben in der italienischen Luft. Und oft im wenig beachteten Abfall großer Sammlungen, aus den Handschriften Ms Foligno Sassovivo II zum Beispiel, den Fragmenten MS Montecassino 871b, dem Laudario di Cortona, dem Tratado de Glosas des Diego Ortiz oder der ungemein reich bis heute überlieferten, traditionell nichtschriftlichen italienischer Volkskultur - an den frei gebliebenen Rand gekritzelte Einfälle, Notizen von fragmentarisch Gehörtem, Bemerkenswertem - meraviglioso! Nur das Allernotwendigste aufgezeichnet, wo eine Motette von Guillaume Dufay, eine Ballata oder eine "Lamentatio Jeremiae" noch wertvollen Platz auf dem Pergament freilässt - eine Melodie ohne Rhythmus, ein Textfragment, vielleicht die Skizze eines Tenors, ein ostinates Bassmotiv, der Name eines Dichters, Musikers ... Töne, Melodien, Lieder, kleine Popsongs - entstanden im Rauschen der Brunnen auf den Plätzen Roms, im Nachhall von Schritten in den mitternächtlichen Gassen Venedigs, im Lachen junger Mädchen an den Waschtrögen hinter dem Palazzo Pubblico von Siena, dem flüsternden Lautenklang der heimlichen Serenata unter einem Alkoven in Verona, im hellen Choralgesang der Patres von Santa Maria delle Grazie in Cortona bei Sonnenaufgang, in den kehligen Verkaufsrufen der Fischverkäuferinnen auf dem Markt von Neapel, den Flötenimpressionen eines Satyrs zur schwülen Mittagsstunde im schattigen Schilf einer Flussbiegung des Arno bei Lucca oder im Gesang einer Nachtigall im Garten der Villa Alberti in Florenz nach Sonnenuntergang. "Chi vuol esser lieto sia di doman non c'è certezza" - "Lasst uns das Leben heute genießen, für morgen gibt es keine Sicherheit", rät der Florentiner Medicifürst Lorenzo.

Ein fragmentarisches Universum, ein unvollständiges Puzzle aus Tönen und Worten, aus dem wir versuchen, ein Klangbild dieser Musik zwischen Mittelalter und Barock freizulegen. Die Destillation der Essenz Frührenaissance im alchemistischen Labor von RAYUELA & CorDatum. Die Destillation eines berührenden, anrührenden Klanges, geprägt vom obertonreichen Timbre der Flauti dolce, dem Klangkosmos von gestrichenen und gezupften oder mit Federkiel angeschlagenen Saiteninstrumenten, den Viellen, der Vihuela, Guitarra und Liuto, den metallbesaiteten Citolen und dem Salterio. Organetto, Organo di legno und einer Vielzahl der in Italien beliebten Perkussionsinstrumente wie Tamburello, Rahmentrommeln in allen Ausformungen und Größen, Castagnuoli und Gefäßtrommeln - die schwebenden Klänge finden Tiefe und Rhythmus. Rhythmus entsteht aus der Metrik der Worte in den ohne Zeitmaß notierten Liedern oder Liedfragmenten und aus dem Duktus der Melodiebewegungen. Die Aufführungspraxis derartiger Musik, ihre improvisierten Mehrstimmigkeiten, ihr Arrangement gehören im Selbstverständnis der Zeit zur individuellen Kompetenz der ausführenden Cantores, nicht mehr in das Autoritätsfeld des gelehrt komponierenden Musicus. Sie erschließt sich für uns in Kenntnis und Kontext der Literatur, der Traktate und des notierten musikalischen Ambiente in Spätmittelalter und Renaissance.

Kleine Lieder klingen auf, alle kreisend um ein Thema: die in Italien alles umfassende Liebe mit ihren Facetten von Glück und Unglück. Im alten toskanischen, venezianischen und sizilianischen Elfsilbler des Strambotto, in dem ein Star dieser Gattung, Giustiniani, seine kleinen Schlager setzt. Im witzigen Florentiner Tanzlied der Barzelletta eines Chiabrera. In den ungeordnet improvisierten Tarantellen Süditaliens mit all ihren unsinnig köstlich gereimten Obszönitäten von Cicerenellen und ähnlich frechen Heldinnen einer der Commedia dell'arte nahen Volksphantasie bis zum wirbelnden Tanzrhythmus einer Lauda zur Karfreitagsprozession. Uns heute kaum noch nachvollziehbare Grenzüberschreitungen zwischen Sakralem und Profanem, zwischen geistlicher Gottesliebe und weltlicher Liebesglut eines Mannes, einer Frau in den Lauden des Minoriten Jacopone da Todi. Und dem alle Formen dominierenden Sonett. In seinen zwei Quartetten und zwei Terzetten vollziehen die Poeten Italiens ihre kleinen Apotheosen der Liebe: gedankenvolle Sehnsüchte vor dem Bild seiner Beatrice bei Dante Alighieri. Frech und provokativ der Outlaw Cecco Angioleri allein mit seiner Geliebten Becchina gegen den Rest der Welt. Lauras Schatten über Francesco Petrarca. In der Spannung zwischen Leben, Tod und Kunst Michelangelo Buonarotti. Und die unglückliche Compiuta Donzella mit all ihrer Trauer in einer frühlingshaften Welt glücklich Liebender.

This Product was added to our catalogue on Tuesday 25 January, 2011.

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